06 Juli Plattform Notfallmedizin fordert Reform des Sanitätergesetzes
Notärzt:innen müssen dort verfügbar sein, wo Menschen wirklich um ihr Leben kämpfen!
Bei einem Pressegespräch der Plattform Notfallmedizin Österreich brachten Notärzt:innen, Notfallmediziner:innen und der BVRD.at gemeinsam Nachdruck in eine seit Jahren überfällige Reform des Rettungsdienstes. „Mehrere Untersuchungen zeigen, dass nur in etwa 20 Prozent aller Notarzt‑Einsätze tatsächlich notärztliche Maßnahmen erforderlich werden. In über der Hälfte der Fälle ist gar keine ärztliche Maßnahme notwendig“, betont Univ.-Prof. Dr. Helmut Trimmel (ÖGARI). „Damit ist das österreichische Rettungs- und Notarztwesen nicht nur ineffektiv, sondern auch unverhältnismäßig teuer.“
Univ.-Prof. Gerhard Prause (AGN) sieht das System strukturell am Limit: „Wir frustrieren Notärztinnen und Notärzte mit hohen Fehleinsatzraten und degradieren Sanitäterinnen und Sanitäter de facto zum Hilfsarbeiterstatus.“ Für ihn ist ein dreistufiges System mit hochqualifizierten Notfallsanitäter:innen als eigener Versorgungsstufe der logische nächste Schritt: „Das seit Jahren etablierte Modell in Graz zeigt, wie deutlich sich Notarztanforderungen reduzieren lassen, ohne die Versorgung zu verschlechtern.“
Genau hier setzt Dr. Matthias Aujesky (INO) an. „Hochqualifizierte Notfallsanitäterinnen können Versorgungslücken schließen, ohne den Notarzt zu ersetzen“, erklärt Aujesky. „Mit erweiterter Ausbildung, klar definierten Kompetenzen und standardisierten Protokollen können sie viele Maßnahmen eigenständig durchführen und so die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken – zum direkten Nutzen für die Patientinnen und Patienten.“
Chefarzt Dr. Mario Krammel (ÖNK) beschreibt die Folgen für den Alltag im System. „Das österreichische Notarztsystem steht vor einer doppelten Herausforderung: Die Einsatzzahlen steigen, die verfügbaren notärztlichen Ressourcen werden knapper“, so Krammel. „Bis zu 50 Prozent der Einsätze könnten durch gut ausgebildete Sanitäterinnen selbst abgewickelt werden – Notärztinnen müssen dort verfügbar sein, wo ihre Expertise lebensentscheidend ist: bei Herz-Kreislauf-Stillstand oder schwerem Polytrauma, nicht bei jeder isolierten Sprunggelenksverletzung.“
Dass diese Form der Professionalisierung international längst Standard ist, unterstreicht Dr. Manuel Winkler (IGNI). „In vielen europäischen Ländern ist eine akademische Ausbildung von Sanitäterinnen und Sanitätern auf Bachelorniveau selbstverständlich, Österreich ist bei Ausbildung und Status im internationalen Vergleich das absolute Schlusslicht“, kritisiert Winkler. „Wir brauchen eine moderne, evidenzbasierte und standardisierte Notfallversorgung, in der alle Patientinnen zur jeder Zeit den gleichen hohen Versorgungsstandard erhalten – eine gute Versorgung darf kein Zufall sein.“
Für den BVRD.at steht fest, dass dafür zuerst das Berufsbild der Sanitäter:innen aus dem Hilfsarbeiter‑Eck geholt werden muss. „Sanitäterinnen leisten tagtäglich unverzichtbare Gesundheitsversorgung, dennoch wird der Rettungsdienst im Gesetz noch immer wie eine nachgeordnete Hilfstätigkeit behandelt“, kritisiert BVRD.at‑Präsident Clemens Kaltenberger. „Der Rettungsdienst muss endlich als integraler Bestandteil des Gesundheitssystems verstanden werden.“ Eine Reform des Sanitätergesetzes sei daher längst überfällig: „Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir uns einen modernen Rettungsdienst leisten können, sondern wie lange wir es uns noch leisten, darauf zu warten.“
Presseunterlagen, das umfangreiche Medienecho und der Link auf die gesamte Videoaufzeichnung sind hier abrufbar: https://www.anaesthesie.news/allgemein/pressekonferenz-plattform-notfallmedizin-oesterreich/
Medienecho (Auswahl)
Der Standard: Notarzt wird zu oft gerufen, bessere Ausbildung für Rettungssanitäter gefordert
Die „Plattform Notfallmedizin“ macht Druck für höhere Qualifikationen und bundesweite Standards für Sanitäter. Aus dem Ministerium heißt es, das „Sanitätergesetz neu“ sei in Arbeit
https://www.derstandard.at/story/3000000326913/notarzt-wird-zu-oft-gerufen-bessere-ausbildung-fuer-rettungssanitaeter-gefordert
ORF OÖ: Notarzteinsätze oft nicht notwendig
Die heimischen Notärzte schlagen Alarm: Bei vielen Einsätzen, die sie zu bewältigen haben, werde gar kein Notarzt benötigt, betonen sie. Die Mediziner – aber auch die Vertreter des Rettungsdienstes – fordern eine Aufwertung der Sanitäter in einem neuen Gesetz.
https://ooe.orf.at/stories/3358113/
Krone: Notfallsanitäter könnten mehr – dürfen aber nicht
https://www.krone.at/4173297
Kurier: Notarzt-System am Limit: Neues Sanitätergesetz gefordert
Bei jedem zweiten Notarzteinsatz sei überhaupt kein Notarzt notwendig. Die Plattform Notfallmedizin fordert eine dringende Reform des Sanitätergesetzes, um Aufgaben besser verteilen zu können.
https://kurier.at/wissen/gesundheit/rettung-notarzt-einsaetze-gesetzt-reform-ausbildung-sanitaeter-rettungssanitaeter-notfallsanitaeter/403168120
INGO: Die aktuelle Zahl: 20
Nur in etwa 20 Prozent aller Notarzteinsätze in Österreich sind tatsächlich notärztliche Maßnahmen erforderlich. Die Plattform Notfallmedizin Österreich fordert eine bessere Ausbildung der Sanitäter*innen.
https://www.ingo-news.at/artikel/die-aktuelle-zahl-20
Kleine Zeitung: Hälfte der Notarzteinsätze nicht notwendig
https://www.kleinezeitung.at/artikel/29705208/haelfte-der-notarzteinsaetze-nicht-notwendig
APA Science: Hälfte der Notarzteinsätze nicht notwendig
https://science.apa.at/power-search/8882919474419424741
OÖN: In 50% der Fälle ist kein Notarzt erforderlich
https://www.nachrichten.at/panorama/chronik/in-50-prozent-der-einsaetze-ist-kein-notarzt-erforderlich;art58,4180457
NEWS: Hälfte der Notarzteinsätze nicht notwendig
https://www.news.at/politik/halfte-der-notarzteinsatze-nicht-notwendig
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