28 Apr. Kommentar anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz
Anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz lohnt es sich meiner Meinung nach, im Rettungsdienst einmal genauer hinter die Kulissen zu schauen. Immer häufiger hört man von Verkehrsunfällen mit Einsatzfahrzeugen. Viele Vorfälle im Straßenverkehr werden vorschnell als individuelles Fehlverhalten bewertet. Doch häufig spiegeln sie auch strukturelle Probleme wieder. Das hohe Fahrtenaufkommen, insbesondere durch nicht dringliche Transporte, führt dazu, dass Einsatzkräfte unter enormem Zeitdruck stehen. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass es wichtiger ist, Patientinnen und Patienten pünktlich zu Terminen zu bringen, als den Fahrerinnen und Fahrern ausreichend Pausen zu ermöglichen.
Gerade im Spannungsfeld zwischen medizinischem Auftrag, wirtschaftlichem Druck und Personalmangel geraten grundlegende Sicherheitsaspekte ins Hintertürchen. Belastung und Erschöpfung entstehen nicht plötzlich, sondern sind oft das Ergebnis von langen Schichten, dicht getakteten Fahrten und fehlenden Erholungsphasen.
Wenn das System keine echten Pausen zulässt, wird diese Belastung letztlich auf die Straße verlagert, mit potenziell schwerwiegenden Folgen für alle Beteiligten.
Hinzu kommt eine Arbeitsrealität, die längst nicht mehr den heutigen Standards entspricht. Eine 48-Stunden-Normalarbeitszeitwoche mag auf dem Papier zulässig sein, wirkt jedoch angesichts der tatsächlichen Belastung im Rettungsdienst zunehmend überholt. In der Praxis arbeiten sowohl Zivildienstleistende als auch hauptamtliche Kräfte nicht selten deutlich darüber hinaus… Wochenarbeitszeiten von über 50 Stunden sind keine Ausnahme. Gerade in einem sicherheitskritischen Bereich wie dem Rettungsdienst stellt sich die Frage, ob solche Rahmenbedingungen noch verantwortbar sind?
Der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz erinnert mich daran, dass Arbeitsschutz nicht nur Theorie sein darf, sondern aktiv gelebt werden muss. Dazu gehört auch, Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst kritisch zu hinterfragen: realistische Einsatzplanung, ausreichende Personalressourcen und die konsequente Einhaltung von Ruhezeiten. Denn letztlich sollte die Sicherheit von Patientinnen, Personal und anderen Verkehrsteilnehmern immer Vorrang vor wirtschaftlichen oder organisatorischen Zwängen haben.
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