18 Apr. Neue österreichweite Studie: Gut ausgebildete Notfallsanitäter:innen könnten mehr als die Hälfte der Notarzteinsätze übernehmen
Eine aktuelle österreichweite Studie zeigt: Mehr als 50% der heute arztbegleiteten Notfälle und Interhospitaltransporte könnten von besser ausgebildeten Notfallsanitäter:innen übernommen werden. Die Ergebnisse stützen zentrale Forderungen des Bundesverbands Rettungsdienst (BVRD.at) nach einer Weiterentwicklung des Berufsbildes, der Kompetenzen und der Systemstrukturen im österreichischen Rettungsdienst.
Wie viele arztbegleitete Einsätze in Österreich könnten von gut ausgebildeten Notfallsanitäter:innen übernommen werden, ohne die Patientensicherheit zu gefährden? Eine aktuelle österreichweite Studie („Emergency physician attended calls that could have been covered by advanced emergency medical technicians in Austria“) ist dieser Frage nachgegangen.
Zentrale Ergebnisse im Überblick
Im Rahmen des „Austrian Emergency Day 2025“ wurde in einer bundesweiten 24-Stunden-Erhebung untersucht, wie viele arztbegleitete Einsätze in Österreich auch durch Notfallsanitäter:innen mit einer besseren Ausbildung bewältigt werden könnten. An der Studie nahmen 88 von 149 arztbesetzten Notarztsystemen in allen neun Bundesländern teil; insgesamt wurden 313 Einsätze dokumentiert, darunter 273 Notfälle und 25 arztbegleitete Interhospitaltransporte.
Resultate
Die Ergebnisse sind deutlich: 53,4% der durch Notärzt:innen begleiteten Notfalleinsätze und 48,0% der Interhospitaltransporte hätten laut Einschätzung der diensthabenden Notärzt:innen von Sanitäter:innen übernommen werden können. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass 64,1% der Notfälle niedrigere Schweregrade aufweist (NACA 1–3) oder Stornierungen waren und damit strukturiert einem qualifizierten nichtärztlichen Team mit ärztlichem Back-up übertragen werden kann.
Große Zustimmung der Notärzt:innen für Reformen
Bemerkenswert ist auch die klare Haltung der befragten Notärzt:innen zu Ausbildung und Kompetenzen von Notfallsanitäter:innen: Über 80% sprechen sich für eine Erweiterung der Kompetenzen von Notfallsanitäter:innen aus – zum Teil explizit mit einer verbesserten Ausbildung, und 88,6% unterstützen ausdrücklich die Einführung einer dreijährigen Ausbildung für Sanitäter:innen nach internationalem Vorbild. Zudem befürworten 71,6% der ärztlichen Leitungen einen Ausbau telemedizinischer Notarztunterstützung für Rettungsdienste.
Als wesentlichen Punkt heben viele die Notwendigkeit stärkerer praktischer Ausbildung hervor – insbesondere im Krankenhaus und auf arztbesetzten Einsatzfahrzeugen.
Damit senden die Notärzt:innen selbst ein klares Signal in Richtung Professionalisierung und Erweiterung des Berufsbildes Notfallsanitäter:in.
Fazit: Effizienz steigern, Qualität sichern
Die österreichweite Studie zum „Austrian Emergency Day 2025“ liefert ein deutliches Signal: Das Rettungssystem verfügt über ein erhebliches Effizienz- und Entwicklungspotenzial, wenn die Rolle von Notfallsanitäter:innen konsequent weiterentwickelt und telemedizinische Strukturen ausgebaut werden
Eine moderne Arbeitsteilung mit gut ausgebildete Notfallsanitäter:innen mit erweiterten Kompetenzen, unterstützt durch Tele-Notärzt:innen, und gezielt eingesetzte Notärzt:innen bei kritisch kranken und schwerverletzten Patient:innen kann dazu beitragen, Notärzt:innen gezielter dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden, knappe Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu sichern.
Damit decken sich die Ergebnisse der Studie klar mit den strategischen Zielsetzungen des BVRD.at: ein mehrjährige Ausbildung für NotfallsanitäteR:innen mit einem professionalisierten Berufsbild, klare Kompetenzprofile und eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der österreichischen Rettungsdienststrukturen.