21 Jan. Statement zur Verlängerung des Grundwehrdienstes respektive Zivildienstes
Der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD.at) sieht in der Diskussion um eine Verlängerung des Grundwehr- bzw. Zivildienstes eine Chance für eine Steigerung der Qualität und der Rahmenbedingungen im Rettungsdienst. Entscheidend ist, dass die zusätzliche Zeit gezielt für bessere Ausbildung und professionelle Begleitung genutzt wird. Eine Verlängerung des Zivildienstes kann nicht die notwendige Reform der Ausbildung ersetzen.
Ebenso wichtig sind klare Standards hinsichtlich Freiwilligkeit, Eignung und Wochenarbeitszeit. Eine Reform des Sanitätergesetzes mit einem klaren, dreistufigen Ausbildungsmodell – vom Einstieg für Zivildiener und Freiwillige bis hin zur Gesundheitsfachkraft mit mehrjähriger Ausbildung, wie sie die Initiative Zukunft Rettungsdienst vorschlägt – bietet dafür die geeignete Grundlage.
Linz, 21.1.2026
Die aktuelle Debatte um die Verlängerung des Grundwehrdienstes bzw. Zivildienstes betrifft den Rettungsdienst unmittelbar – sowohl die dort tätigen Organisationen als auch die jungen Menschen, die ihren Dienst leisten. Der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD.at) beleuchtet Chancen und Voraussetzungen aus Sicht der Praxis.
Chancen nutzen: Qualitätssteigerung durch bessere Ausbildung
Eine Verlängerung des Zivildienstes birgt großes Potenzial, wenn die zusätzliche Zeit konsequent in eine fundierte Ausbildung und Begleitung fließt. Im Ausbildungsmodell der Initiative Zukunft Rettungsdienst sind für diese erste Ausbildungsstufe 15 ECTS (ca. 10 Wochen) vorgesehen – eine deutliche Verbesserung gegenüber den bisherigen 6,5–8 Wochen. Dies schafft besser qualifizierte Kräfte, die den Rettungsdienst langfristig stärken.
Qualität statt Quantität
Eine bloße Verlängerung ohne inhaltliche Aufwertung würde lediglich länger günstigere Arbeitskräfte liefern, ohne die Versorgungsqualität zu heben. Ziel muss ein Zivildienst sein, der Kompetenzen aufbaut, Verantwortungsbewusstsein fördert und Zivildiener in dieser prägenden Lebensphase als lernende, ernst genommene Persönlichkeiten wertschätzt.
Nicht vertretbar ist etwa die Disposition von zwei Zivildienern allein zu Notfalleinsätzen oder Grßschadenslagen. Solche Missionen erfordern bewährte fachliche Kompetenz, Erfahrung und Entscheidungssicherheit, die frisch ausgebildeten Rettungs- und Krankentransportsanitäter:innen auf der Ausbildungsstufe nicht zugemutet werden darf.
Freiwilligkeit und Motivation stärken
Anders als Grundwehrdiener, die sich freiwillig für den Sanitätsdienst beim Bundesheer melden müssen, werden Zivildiener den Rettungsorganisationen oft zugeteilt. Dies sehen wir kritisch. Der Rettungsdienst und Krankentransport bringt hohe körperliche und psychische Belastungen mit sich, die wir nicht erzwungen sehen wollen. Eine Stärkung der Freiwilligkeit – durch gezielte Information, Bewerbungs- und Auswahlprozesse – steigert Motivation, Identifikation und Lernbereitschaft nachhaltig.
Professionelle Begleitung und faire Bedingungen
Die Zivildienstzeit ist für viele eine sehr prägende Lebensphase – körperlich, psychisch und biografisch. Es braucht daher bessere Angebote zur Begleitung wie Supervision, Intervision und niederschwellige Unterstützungsangebote, um mit körperlichen und psychischen Belastungen im Rettungsdienst und Krankentransport professionell umgehen zu können. Zivildiener verdienen einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe. Sie sollen nicht für Lückenbüßer-Rollen eingesetzt werden, sondern als vollwertige Teammitglieder, die entsprechend ihrer Qualifikation eingebunden und gefördert werden.
Aktuell variieren die regulären Dienstzeiten von Zivildienern in der Praxis zwischen 38,5 und 48 Stunden pro Woche – in Ausnahmefällen sogar bis 60 Stunden. Eine Verlängerung des Zivildienstes erfordert eine faire und transparente Vereinheitlichung dieser Zeiten. Nur so schaffen wir Planungssicherheit, Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit für Zivildiener und Organisationen.
Konkreter Fahrplan: Drei-Stufen-Modell in einer Novelle des Sanitätergesetzes
Die Initiative Zukunft Rettungsdienst schlägt ein klares 3-Stufen-Ausbildungsmodell vor: Einstieg über Stufe 1 für Zivildiener und Ehrenamtliche, mit definierten Inhalten und Einsatzfeldern. Daraus ergeben sich auch klar die notwendigen Ausbildungsinhalte und Einsatzgebiete künftiger Zivildiener. Dies bietet Orientierung für eine qualitativ hochwertige Reform.
Vorschlag einer Reform des Sanitätergesetzes mit einem dreistufigen Ausbildungsmodell

Weiterführende Links
Positionspapier des BVRD.at: https://www.bvrd.at/positionspapier/
Initiative Zukunft Rettungsdienst: https://www.zukunft-rettungsdienst.at
Über den BVRD.at
Der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD.at) ist ein gemeinnütziger Verein und versteht sich als organisationsübergreifende Plattform und Fachvertretung für alle im Rettungsdienst tätigen Personengruppen. Als Interessensvertretung für Sanitäterinnen und Sanitäter setzt er sich mit Aktivitäten zur fachlichen Förderung und organisationsübergreifenden Vernetzung für die Weiterentwicklung und Anliegen eines modernen, patientenorientierten und qualitativ hochwertigen Rettungsdienstes in Österreich ein. Mit dem Camillo Award verleiht er jedes Jahr all jenen herausragenden und engagierten Sanitäter:innen in Österreich Sichtbarkeit, die qualitativ zur Weiterentwicklung im Rettungsdienst beitragen.
Kontakt: office@bvrd.at